Replik zur Tour des Vosges: In allen politischen Anschauungen bestand bei uns Einigkeit

Wir hatten viel Zeit auf der Tour, uns zu unterhalten. Bei der Fahrt, in den Pausen in den Cafés, am Abend, beim Frühstück. Und wir stellten fest: Obwohl wir in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, haben wir die gleichen Vorstellungen, was wir in Deutschland verbessern müssen. Deshalb schreiben wir sie hier auf. Alexander, Chirurg und Klinik-Berater, hat den ersten Aufschlag gemacht. Weitere Punkte folgen.

1. Gesundheitswesen (und das noch vor der Veröffentlichung der Bertelsmann-Studie): drastische Reduzierung der Krankenhäuser als wichtiger Eckstein einer Gesundheitsreform. Mehr Spezialisierung, Fokussierung der Kräfte und mehr Ethik und Menschlichkeit in der Versorgung, weniger Ökonomisierung. Digitalisierung der Krankenhäuser eine conditio sine qua non – hier besteht ein erheblicher Rückstand zu vielen Gesundheitssystemen auf der Welt. Deutschland nur Mittelmaß, obwohl es eines der teuersten Gesundheitssysteme betreibt. Auf die Vernunft der Politiker zu setzen scheint nicht auszureichen. Es sollten andere Methoden überlegt werden, um einen Wandel anzustoßen. Der Bevölkerung müssen alternative Systeme angeboten werden. Erst dann besteht ggf. Vertrauen, dass der Wandel zum besseren führt.

2. Umgang mit der AFD. Nicht totschweigen, aber keinen naiven Umgang mit den Brandstiftern. Siehe Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch oder die offene Gesellschaft und ihre Feinde von Sir Karl Popper (Paradox der Toleranz. Die Toleranz endet da, wo die Intoleranz anfängt).

Less well known is the paradox of tolerance: Unlimited tolerance must lead to the disappearance of tolerance. If we extend unlimited tolerance even to those who are intolerant, if we are not prepared to defend a tolerant society against the onslaught of the intolerant, then the tolerant will be destroyed, and tolerance with them. — In this formulation, I do not imply, for instance, that we should always suppress the utterance of intolerant philosophies; as long as we can counter them by rational argument and keep them in check by public opinion, suppression would certainly be unwise. But we should claim the right to suppress them if necessary even by force; for it may easily turn out that they are not prepared to meet us on the level of rational argument, but begin by denouncing all argument; they may forbid their followers to listen to rational argument, because it is deceptive, and teach them to answer arguments by the use of their fists or pistols. We should therefore claim, in the name of tolerance, the right not to tolerate the intolerant.

3. Klimawandel – CO2 – Steuer oder Abgabe als Regulativ, um CO2 zu reduzieren: Es bleiben maximal 600 – 800  GigaTonnen (GT) CO2, um die Luft damit anzureichern. Siehe auch Forschungen des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. https://www.pik-potsdam.de/services/klimafolgenonline – Es ist bereits 2 Minuten vor 12. Ein Umdenken hätte schon längst stattfinden müssen. Die Wissenschaftler sagen, dass wir weltweit eine Renaissance der Kohlekraftwerke sehen. Deutschland sollte Technologieführer für erneuerbare Energien sein (hat den Solarsektor sang- und klanglos eingehen lassen und damit 80.000 Arbeitsplätze) und nicht die Braunkohleausstieg noch mit Milliarden fördern (ca. 8000 – 10.000 Arbeitsplätze).  Die Friday for future hat für ein Umdenken gesorgt (O-Ton Prof. Edenhofer Potsdamer Instit. f. Klimaforschung). Wir brauchen die Jugend. Die Alten werden´s nicht mehr richten.

Ein Wandel in guten Zeiten ist besonders schwer. Der Mensch als Gewohnheitsmensch und risikoscheu.

Gerne sind wir für Kommentare offen.

Etappe 7 (14.07.): Lunéville – Sarreguemines / Barr

Erkenntnis des Tages: Am Ende zählen das Team und die Gesundheit

Wir waren uns einig: In politischen Themen, bei Weltanschauungen, beim Sport, und dass wir die Tour in 2020 wieder machen. Keiner hat sich verletzt. Alle sind wieder zu Hause. Wir waren ein gutes Team.

Für Holli und Volker ging es 110km in Rekordzeit von deutlich unter 5 Stunden von Lunéville über Moussay, den Rhein Marne Kanal und den Saar-Kanal nach Saargemünd. Für Alex ging es bei Nebel und schlechtem Wetter nach Barr – über einen Col und ebenfalls über 100km. Axel und Matthias nutzten die am Samstag gekommenen Begleitfahrzeuge für nach Hause.

Die Tour des Vosges 2019 in Zahlen:

  • 7 Tage – kein Pausentag
  • 650-750km (alle haben Teilstücke ausgelassen)
  • über 5.000 Höhenmeter
  • über 30 Stunden auf dem Rad
  • 7 Hotels, davon 6 mit Pool.
  • 70-80 Café au lait
  • Pro Person 12 mal regionales Essen und Genuss.

Und bei den Gesprächen haben wir einen 10 Punkte Plan für die Politik entwickelt. Vielleicht schreiben wir diese im Kommentar zu diesem Beitrag auf.

Wir danken allen Begleitern und Unterstützern. Wer nächstes Jahr mitfahren will: Bitte melden.

Etappe 6 (13.07.): Vittel – Charmes – Lunéville

Erkenntnis des Tages: das Schöne liegt so nah.

Man muss nicht weit und lange fahren, um eine andere Kultur und Zeit erleben zu können.

Die Landschaft ist extrem hügelig. Die Dörfer liegen immer geschützt im Tal. Wasser ist das Hauptprodukt dieser Region (Vittel, Contrex).

Wir fahren heute eine kürzere und schnelle Etappe von 75km. Ziel Lunéville. Dort wollen wir rechtzeitig sein, weil wir noch an der défilé militaire zum Nationalfeiertag teilnehmen wollen. Zudem haben sich Kristina, Renate und Petra als Empfang unserer Mitfahrer Holli und Axel angekündigt. Da wollen wir doch schnell hin.

Wir verbringen einen netten Abend in Lunéville. Den letzten Abend der Tour mit allen gemeinsam. Alex muss weiter nach Barr. Axel und Matthias müssen am Sonntag direkt per Auto zurück. Holli und Volker fahren nach Sarreguemines.

Das Chateau in Lunéville mit seinen Gärten ist imposant. So nah bei Saarbrücken und doch schon so anders in seiner Kultur. Man sollte öfters hierherkommen. Es lohnt sich, auch wenn die Region Lorraine doch wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten hat, was man am Zustand der Häuser in der Stadt und auf dem Land sieht.

Etappe 5 (12.07.): Gérardmer – Remiremont – Épinal – Vittel

Erkenntnis des Tages: Regenwind macht uns stärker.

Obwohl es tendenziell bergab ging, war es eine schwere 105km Etappe. Wir hatten Gegenwind. Auf den letzten 20km viel Verkehr und keine gute Ausweichmöglichkeit. Hitze machte uns auch zu schaffen. Zum abendlichen Ausklang freuten wir uns aber, es geschafft zu haben und keinen Regen erlebt zu haben.

Auf der Strecke wurden wir diesmal von der Mosel begleitet. In Vittel angekommen stellen wir fest, dass das Glas Vittelwasser im Hotel 3 Euro kostet, obwohl es direkt aus dem Kranen kommt und da genauso schmeckt 🙂

Hier noch eine Glosse von Holli zum heutigen Tag:

Wir jagen einen Velozepisten und werden erlegt!

Wir folgen gerade etwas lustlos der Mosel, als uns ein französischer Rennradfahrer flott überholt. Das Feld rückt zusammen und Volker zieht an. Der Abstand wird konstant und beginnt sich zu verringern. Es geht kilometerlang über die kurvige, leicht hügelige enge Straße. Die Landschaft fliegt mit mehr als 30km an uns vorbei. Dann gibt Volker die Führung ab und reiht sich hinten ein. Wir geben weiter Gas und überholen schließlich freudig als Formation den Velozepisten.

Mit hohem Tempo geht es weiter, da erscheint plötzlich neben uns erneut das Fahrrad. Der Kollege hatte sich hinten eingereiht, erholt und dann zum Gegenangriff angesetzt. 

Kette rechts bemühen wir uns darum in seinem Windschatten zu folgen. Die km ziehen sich weiter. Bald können nur noch Alexander und Matthias folgen.
An einem Buckel mit anschließender Kurve schaltet der Franzose hoch, geht aus dem Sattel, beschleunigt und fährt eine Lücke so dass der Windschatten auch für diese Beiden abbricht. Toucher.